Fünf Oberstufenschüler entdecken Israel

Im September besuchten fünf Schülerinnen und Schüler der Oberstufe im Rahmen eines von der Jungen Akademie des Franz-Hitze-Hauses in Münster ausgerichteten deutsch-israelischen Jugendaustausches ihre Austauschpartner in Haifa. Besonders interessant war bei diesem Austausch, dass sowohl jüdische als auch christliche und muslimische Schüler aus Israel an dem Austausch teilgenommen haben, so dass unsere Schüler einen sehr facettenreichen Einblick in das Leben, die Konflikte und die Zukunftsperspektiven des Landes Israel erhalten haben. Lesen Sie hier einen spannenden Reisebericht der Schülerin Paula Rethemeier…

Reisebericht

Paula Rethemeier, 07.10.2019

Wir Deutschen in Israel

Die Aufregung, die ich während der ganzen Reise nach Israel verspürt habe, ist ehrlich kaum in Worte zu fassen. Man freut sich, doch gleichzeitig ist man super nervös.

Unser Flug nach Israel war in zwei Etappen unterteilt: zuerst flogen wir, von Münster aus, eine Stunde nach München, von wo aus wir weitere sechs Stunden zu dem größten Flughafen in Israel in Tel Aviv geflogen sind. Ich hatte anfangs ein wenig Angst vor den Flügen, da ich zuvor erst einmal in meinem Leben geflogen bin. Ich habe keine Höhenangst, doch ich überlasse ungern anderen Personen die Verantwortung, mich sicher an einen anderen Ort zu bringen. Doch nach dem ersten Flug schoss sowieso viel Adrenalin durch meinen Körper, so war der zweite nur halb so schlimm. Das Essen im Flugzeug schmeckt sogar recht gut, doch das Schönste für mich war Israels Skyline. Bei Nacht sieht sie aus, wie eine riesige Schatztruhe voller Lichter und Farben.

Es dauerte noch rund drei weitere Stunden, bis wir in Haifa (Küstenstadt in Nord – West – Israels) ankamen und die Freude beim Wiedersehen war übergroß. Wir hatten uns sehr viel zu erzählen und zu zeigen. Zunächst nahm jeder Israeli seinen Austauschpartner also mit nachhause.

In Israel sehen die Häuser wirklich alle gleich aus. Das liegt daran, dass die Regierung es in den weitaus religiöseren Städten, wie beispielsweise Jerusalem, verordnet hat, Sandstein als Hausfassade zu benutzen. Da er daher sehr günstig ist, entscheidet man sich, beim Bau eines neuen Hauses, automatisch eigentlich immer für ihn. Außerdem hängen an jedem Haus mindestens fünf Kästen, die zur Klimaanlage gehören. Ohne sie ist es im Sommer nicht in Israel nicht auszuhalten. Es gibt auch nur sehr selten Einzelhäuser; unsere Israelis haben zum Beispiel alle in Wohnungen gelebt.

Was ich in Israel erlebt habe und gesehen habe, werde ich nie wieder vergessen.

Wir haben uns so viele heilige Stätten angesehen und so viel Neues über die Religionen gelernt. An einem Tag – nachdem die Deutschen für zwei Tage nach Bethlehem fuhren – sind wir zu der Geburtskirche gelaufen, die sehr nah an unserem Hotel lag. Der Eingang war nur sehr klein und nicht sehr breit. Man vermutet, dass man sich und die Kirche damals von Angriffen schützen wollte. Es wird aber auch häufig erzählt, dass es zum Zeichen des Respekts dient: bevor man in das Gotteshaus eintreten kann, muss man sich (vor Gott) verbeugen.

Wir alle standen eine Stunde an, um in das Kellergewölbe geführt zu werden, wo in einem Kaminartigen Schacht ein goldener Stern mit einer eingebauten Glasplatte auf einen weißen verblassten Fleck hindeutete. Hier soll Maria kurz nach Jesus Geburt ein paar Tropfen Muttermilch verloren haben; Forscher zweifeln dies jedoch heute an.

An einem anderen Tag besichtigten wir gemeinsam einen israelischen Friedhof. Auf Friedhöfen in Israel symbolisieren die Verstorbenen Särge aus Sandstein, die nicht in die Erde eingelassen werden und auf die man, statt Blumen und Kerzen, Steine legt. Am gleichen Tag sahen wir auch die Klagemauer. Sie ist viel kleiner, als ich sie mir vorgestellt hatte, doch nicht weniger imposant. Ich lernte, dass man in die Ritzen zwischen den Steinen häufig Zettel steckt mit Bitten an Gott. Die Mauer soll Teil der alten Festigung des heiligen Tempels gewesen sein und die Steine wurden nicht mit Mörtel befestigt, sondern passen wie Puzzlestücke aufeinander.

Die Menschen in Israel sind sehr gastfreundlich und zuvorkommend. Sie sind aufgeschlossener und freundlicher, als es uns die Medien glauben lassen und ich finde es schade, dass diese Vorurteile es einem Menschen unmöglich machen können, eine andere, so schöne Kultur, wie Israel, kennenzulernen. Ich bin auch ein wenig enttäuscht von mir selbst, da ich zugeben muss, dass ich zuerst auch von Vorurteilen vereinnahmt war.

Etwas, dass ich in Deutschland vermisse, mir gleichzeitig aber auch nicht her wünsche, sind die Straßenkatzen. Katzen sind meine absoluten Lieblingstiere und von denen gab es in Israel zuhauf. Doch leider waren die meisten von ihnen sehr krank, waren ungepflegt und ausgemagert. Vor allem bei den kleinen Jungen hat es mich sehr berührt. Sie waren fast alle blind.

Gemeinsam mit den Israelis sind wir auch zur jüdischen Gedenkstätte gefahren. Hier lernten wir mit einem Guide viele Dinge über die Juden im zweiten Weltkrieg. Es war spannend, Geschichten der anderen Seite zu hören, doch sehr bedrückend und auch ein stückweit beängstigend. Ich habe mich als Deutsche, weshalb auch immer, sehr fehl am Platz gefühlt. Später sind wir gemeinsam, durch einen Spiegelsaal geführt worden, in dem ein paar Kerzen standen, die es aussehen ließen, als ständen Tausende von ihnen in einem großen Raum. Sie symbolisierten die Seelen der jüdischen Opfer. Der Moment war für viele von uns sehr ergreifend und bewegend.

Das Beste an Israel ist das Essen. Schon zum Frühstück hat Lanas Vater immer zwei Eier in die Pfanne gehauen und dann eine Art Toastbrot – nur leckerer – darauf gelegt und es anbraten lassen. Ich glaube jedoch, dass das berühmteste Essen, dass mir auch mit am besten geschmeckt hat, Humus ist. Man bekommt Rohkost, Fladenbrot, Falafels (Ja, das ist die richtige Schreibweise J) und Humus, eine Paste gemischt mit vielen Gewürzen und etwas Olivenöl. Ich musste aufpassen, mich nicht zu vollzustopfen. Bei den hohen Temperaturen, sollte man keinen zu vollen Bauch haben.

Es war noch sehr heiß und abgesehen von den religiösen Städten – Jerusalem und Bethlehem – trugen die meisten von uns jeden Tag kurze Sachen. Zu einem meiner schönsten Erlebnisse zählt der Strandtag. Wir Deutschen waren soeben erst aus Bethlehem zurückgekehrt und die Israelis hatten am Strand einen Pavillon aufgestellt und warteten schon mit viel frischem Essen und zu Trinken auf uns. An dem Tag bin ich das erste Mal in meinem Leben im September im Meer baden gewesen. Der Nachmittag war wirklich unvergleichlich.

Ich denke, der schönste Abend, war jedoch die Hausparty, die Lana bei sich zuhause geschmissen hat. Es gab keinerlei Alkohol oder sonstige Substanzen, da man in Israel aus religiösen Gründen ja nur sehr selten alkoholische Getränke zu sich nimmt.

Zusammen spielten wir Spiele, aßen etwas, man teilte sich auf, die einen unterhielten sich auf dem Balkon, die anderen tanzten zu JustDance. Die herrschende Stimmung war unglaublich angenehm und ich hätte losheulen können, wenn ich an den Abschied gedacht habe. Dieser Abend hat all‘ unsere Freundschaften ziemlich verstärkt. Es war ein einfacher und doch so besonderer Tag.

Deswegen war der Abschied auch sehr schwer. Am Vorabend traf man sich im religiösen Zentrum, wo wir gemeinsam mit den Familien aßen, ihnen unsere zuvor selbsterstellten Theaterspiele und Reden vorstellten – bei denen schon einige anfingen zu weinen, mich eingeschlossen – und später, ohne die Eltern, die restliche Zeit zusammen genossen und in Gespräche vertieft waren oder erneut JustDance gespielt haben.

Ich wurde in dieser Nacht von allen bei der Gruppenumarmung fast zu Tode gequetscht und mein T-Shirt war am Ende an einigen Stellen total nass, weil alle Israelis, die kleiner waren, als ich, weinen mussten und bei der Umarmung Abdrücke hinterließen.

Die Rückfahrt zum Flughafen war sehr still. Die meisten schliefen. Und die die es nicht taten haben geweint.

Was ich komisch fand, war, dass wir bei der Einreise nicht kontrolliert wurden bei der Rückreise aber schon. Ich war total nervös, als ein Flugkontrolleur zu mir kam und mich bat an einen Stand mit Computer zu kommen. Er stellte mir zwar nur ein paar Fragen, die ich zum Glück alle sehr leicht und einfach beantworten konnte, ich kam aber trotzdem so verdächtig vor und empfand es als leicht peinlich.

Ich war an dem Tag zu müde, um traurig darüber zu sein, aber als ich aufwachte, lag keine Lana neben mir und das Frühstück schmeckte mir auch nicht mehr.

Auch Tage danach, fiel es mir schwer, mich wieder einzuleben. Was ich in Israel für Erfahrungen und Erinnerungen gesammelt habe, ist außergewöhnlich. Wir sind und waren eine große Familie.